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Thema: Neubeginn realstisch?

  1. #1

    Frage Neubeginn realstisch?

    Hallo Ihr Lieben,

    auf der Suche im Internet bin ich auf dieses Forum gestoßen. Mein Vater hat Kleinhirnatrophie. Diese hat er von seinem Vater geerbt. Sein Bruder soll ebenfalls die Krankheit haben, wobei bei ihm keinerlei Symptome sichtbar sind. Bei meinem Vater ist die Krankheit bereits sehr ausgeprägt und wird trotz alternativer Behandlungen zusehens schlechter. Nähere Informationen kann ich leider nicht geben, da meine Eltern beide sehr ungern über dieses Thema sprechen.

    Meine Gedanken sind sehr viel bei diesem Thema, da ich meine Mutter schon gern mehr unterstützen würde. Das Problem ist nur, dass wir 500 km weit auseinander wohnen und die Entfernung schon vieles ziemlich erschwert. Meine Idee war daher, meine Eltern zu uns zu holen. Ihnen in unserer Nähe eine Wohnung zu mieten, so dass mein Vater nicht immer die ganze Zeit allein ist-meine Mutter ist nämlich auch noch voll berufstätig und muss sich um Haus und riesigen Garten sowie ein Mietshaus sowie um ihre eigene Mutter kümmern. Sie hat also volles Programm und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihre Akkus leer sind. Auch hätten meine Eltern dann beide mehr Zeit mit ihrem Enkel und mein Vater hätte somit auch noch eine Ablenkung von der Krankheit.

    Problem ist nur: sie leben derzeit in dem Elternhaus meines Vaters. Dieses ist allerdings aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht mehr im Besitz meiner Eltern, aber sie hängen sehr stark dran und hoffen, dieses wieder zurückkaufen zu können. Nur ist das Geld leider nicht da und wird auch zukünftig nicht da sein, da die Krankheit schon sehr viel verbraucht. Von daher hatte ich den Gedanken, dass es für beide vielleicht besser wäre, in unserer Nähe neu durchzustarten. Wie realistisch ist dieser Gedanken mit einer solchen Erkrankung? Das Haus ist im Übrigen nicht behindertengerecht ausgebaut. Dies müsste im Zweifel noch erfolgen. Ich mache mir wirklich Sorgen um den Gesundheitszustand meiner Mutter, weil sie dieses Pensum bereits mindestens seit 2 Jahren fährt. Ein Rückzug in die alte Heimat kommt aufgrund wirtschaftlicher Aspekte leider nicht in Betracht. Dies hatten wir auch schon in Erwägung gezogen, aber die Perspektiven stehen dort sehr, sehr schlecht und mit ALG und Harzt-IV können wir sie auch nicht besser unterstützen. Es ist wirklich eine Zwickmühle.

    Ich schweife schon wieder ab. Also meine eigentliche Frage lautet: kann man ohne Geld und Rücklagen und mit der Krankheit Kleinhirnatrophie, die schon sehr fortgeschritten ist, noch mal irgendwo neu anfangen? Ist das realistisch oder Wunschdenken?

    Vielen lieben Dank fürs Durchlesen und viele Grüße
    Geändert von Tweety79 (02.11.2017 um 10:22 Uhr)

  2. #2

    Standard AW: Neubeginn realstisch?

    Hallo Tweety,

    erst einmal "Willkommen im Forum!"

    Die erste Frage, die mir beim Lesen deines Textes einfiel: Wollen deine Eltern überhaupt in deine Nähe ziehen? Wenn deine Mutter in ihrem Wohnort eine Vollzeitstelle hat und ihre Mutter versorgt, kann ich mir das nicht vorstellen.

    Außerdem: Gehört das Mietshaus deiner Mutter?
    Hartz4 - Empfänger dürfen nur selbstbewohnte Wohnungen/Häuser bis zu einer bestimmten Größe besitzen. Mieteinnahmen werden auf Hartz4 angerechnet.

    Und dann: Hat dein Vater dort, wo er jetzt wohnt, Ärzte und Therapeuten, mit denen er gut klar kommt?
    Nicht zu vergessen: Hat er dort Freunde und Bekannte?

    Schließlich: Akzeptiere es, wenn deine Eltern nicht über dieses Thema sprechen wollen. Biete ihnen nur deine Hilfe an. Versuche auch, ihnen klar zu machen, was auf sie zukommt (Rollstuhl, Pflegebedürftigkeit, etc.).

    Evtl. erkundigst du dich, ob es bei ihnen in der Nähe eine Selbsthilfegruppe gibt.
    Schau unter ataxie.de /Geschäftsstelle/Kontakt.

    Viele Grüße
    Heike

    Jetzt, jetzt, jetzt leben. Nicht warten!

  3. #3
    Schnitzelkönig Avatar von UndercoverAgent
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    Standard AW: Neubeginn realstisch?

    Tweety, Willkommen

    zur Anwort von Heike gibt es nichts mehr hinzuzufügen

    viel Glück beim Finden einer für beide Seiten zufriedenstellende Lösung

    LG, Klaus

    PS. Ein Neuanfang ist prinzipiell immer möglich, wenn er gewollt ist
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten
    www.klausone.de.vu

  4. #4

    Standard AW: Neubeginn realstisch?

    Vielen Dank für die Antworten.

    Meine Eltern würden es grundsätzlich sehr begrüßen, wenn wir in der Nähe wohnen würden. Nicht nur wegen der Krankheit, sondern allgemein. Man hätte so viel mehr Zeit miteinander. Deswegen hatten wir auch schon vor, wieder zurück in die Heimat zu ziehen. Dies gestaltet sich allerdings, wie gesagt, aus wirtschaftlichen Gründen als sehr problematisch. Wir hätten dort keine gute Zukunft. Und immerhin haben wir noch Verantwortung für unser Kind. Deshalb kam mir ja die Idee, warum nicht meine Eltern den Schritt wagen. So könnten sie noch mal ganz neu anfangen, völlig unbelastet. Wie gesagt, grundsätzlich möchten sie das auch. Sie hängen natürlich sehr am Haus, welches sie aber ja eh nur noch zur Miete bewohnen können. Und selbst das ist nur noch eine Frage der Zeit. Denn wenn es bei meinem Vater irgendwann nicht mehr geht, muss entweder umgebaut werden oder sie müssen sich was anderes suchen.

    Meine Mutter ist selbständig, könnte also überall arbeiten, und mein Vater bezieht zwischenzeitlich Rente. Das Hartz-IV war eigentlich eher auf uns bezogen, wenn wir wieder zurückgehen würden, weil der Arbeitsmarkt dort nicht sonderlich rosig aussieht. Und wo wir jetzt wohnen, haben wir beide einen sehr guten Job.

    Gute Ärzte würde ich jetzt nicht sagen. Es ist alles eher schleppend. Therapien macht er Logo und Physio und ich denke, da würde er auch bei uns gute finden. Die Freunde haben sich eigentlich alle zurückgezogen, selbst die Familie ist inzwischen ausgedünnt. Mit der Krankheit können scheinbar nur wenige was anfangen...

    Grundsätzlich akzeptiere ich ja, dass meine Eltern nicht darüber reden wollen. Kann ich ja auch verstehen. Das muss schon verdammt schwer sein, mit seinem Kind über solche Probleme zu sprechen. Aber ich weiß eben nicht, welche Erwartungen an mich gestellt werden. Ich sehe mich selbst ja auch in der Pflicht zu helfen, nur gestaltet sich das eben auf diese Entfernung sehr schwierig und das macht mich halt irgendwie traurig.

    Ich sehe es ja auch so, dass ein Neubeginn immer möglich ist, egal in welche Situation. Nur haben in meinem engeren Umfeld viele dagegen geredet und deshalb war ich mir unsicher, ob es nicht doch Wunschdenken von mir und ein Umzug mit dieser Krankheit nicht mehr möglich ist. Aber ich werde mal sämtliche Argumente sammeln und noch mal in einem ruhigen Moment zumindest mit meiner Mutter reden. Ich mache mir ja nur Sorgen...

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